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Freiraum Blog

Zeit des Erkennens – Teil 1

Alkohol und Sucht Posted on 08 Apr, 2018 11:55:58

Der Moment der Erkenntnis, dass mein damaliger Partner vielleicht ein Alkoholproblem haben könnte, ist in meine Erinnerung gebrannt – wie auch die folgenden Wochen und Monate.

Wir führten eine Fernbeziehung und telefonierten fast jeden Abend. Oft nur kurz, oft seinerseits, weil er so müde war, dass er manches Wort kaum noch gerade über die Lippen bekam, später meinerseits, weil ich auf diese komischen Telefonate keine Lust hatte. Wenn ich ihn fragte, ob er was getrunken hätte (ich hatte ja keine Ahnung von seinem Problem und fragte dies vollkommen unbedarft), kam immer: “nee, ich bin so müde, weil ich so schlecht geschlafen hab.” Da er in Schicht arbeitete, war es für mich nicht ungewöhnlich.

Manchmal verbrachte er die Wochenenden bei mir, obwohl ich beruflich unterwegs war und meine Tochter wies mich darauf hin, dass er ab und an schon am nachmittag Alkohol trinken würde. Natürlich entschuldigte ich das mit Begründungen wie: “Er war bestimmt nur traurig, dass ich nicht da war.” etc. Auch, als er den gesamten Sektvorrat austrank an einem solchen “Allein-Wochenende” wusste ich Begründungen dafür gegenüber meiner erwachsenen Tochter, die nebenan wohnte.

Dann zog er zu mir. Es war eine aufregende Zeit, ich war gerade dabei, mich selbständig zu machen, er begann seinen neuen Job. Es blieb wenig Zeit füreinander.
Und doch schrillten meine Alarmglocken das erste Mal bereits nach 3 Wochen. Er hatte bereits Alkohol getrunken, bevor ich daheim war – und es war kein Bier! Das konnte ich riechen. Als ich ihn zur Rede stellte, entschuldigte er es mit dem Stress auf der neuen Arbeit. Ich bat ihn, doch mit mir zu reden, statt zu trinken, denn ich hatte im Laufe meines Lebens einige Menschen kennen gelernt, die den Alkohol nicht ÜBERLEBT hatten.
Er versicherte mir, dass das nicht wieder vor käme.

Keine 4 Wochen später stellte sich heraus, dass er sich nicht daran hielt. Zwar hatte ich in diesen 4 Wochen immer mal das Gefühl, er hätte doch was getrunken, da er wieder solch Wortfindungsstörungen hatte und lallte, wie er es zu Beginn unserer Beziehung bereits am Telefon immer mal hatte, aber ich konnte weder etwas riechen, noch sehen. (an leeren Flaschen im Glasmüll z.B.). An diesem Tag jedoch pokerte ich – es gab einen Notfall mit der Katze meiner Tochter, wir mussten in die Tierklinik und er sollte fahren. Er weigerte sich vehement, bis er zugeben musste, dass er getrunken hatte und nicht fahren könne. Ich versicherte ihm, dass wir darüber reden, wenn wir zurück sind, jetzt aber erst einmal die Katze dran wäre.

Auch dieses folgende Gespräch blieb fruchtlos. Seine Begründung dieses Mal: Er vermisse seinen Sohn so sehr, der in der Heimat geblieben war und den er nun nicht mehr sehen würde.
Ich konnte es verstehen – augenscheinlich – und hatte wirklich noch die Hoffnung, dass sich alles lösen lässt und er wirklich nur aus Kummer was getrunken hat. Warum? Weil ich nicht glauben wollte, dass er Alkoholiker ist.
Was er mit diesem Verhalten schaffte, war, mein Mitleid zu wecken, mich um ihn zu kümmern, und zu suchen – nach dem Alkohol, den er offensichtlich ja konsumierte, ohne, dass er irgendwo “rumstehen” würde.
Ich organisierte einen Besuch bei uns von seinem Sohn und seinem besten Freund. Er freute sich riesig – und ich dachte, nun wird alles gut. Allerdings klärte ich seinen besten Freund über die vermutliche Alkoholsucht auf, als der mir erzählte, dass die böse Expartnerin ja immer gemeckert hätte, wenn sie mal ein Bier getrunken hätten. Genutzt hat es nichts – auch dieser beste Freund war machtlos.

Ein paar Tage ging es augenscheinlich gut.
Jedoch wusste ich, als ich eine Jägermeister – Verpackung beim Spaziergang mit den Hunden fand, dass er es dort hingeworfen hatte, als er einen Tag zuvor mit den Hunden gegangen war.

In seinem Kleiderschrank fand ich die andere Hälfte zu der Verpackung.

Und mir wurde klar: DAS ist ein ECHTES Problem, was nicht mal eben zu lösen ist. Wenn er nicht mit daran arbeitet, wird es nichts.

Dennoch war ich vorerst in die Falle der Co-Abhängigkeit getappt:

Coabhängigkeit heißt in diesem Falle, dass man nicht zwingend mittrinkt, sondern dass man sucht – nach Entschuldigungen, Erklärungen, Hilfestellen, verstecktem Alkohol…

Der Alkohol bestimmt den eigenen Alltag über alle Maßen.

Und man vertraut sich niemandem an, weil man sich so unendlich schämt.
Weil man es nicht vorher erkannt hat und erst gar nicht diese Beziehung eingegangen wäre, weil man vielleicht mit schuldig ist, weil es peinlich ist, wenn der Partner ständig durch Alkohol beeinträchtigt ist, weil es keine glückliche Beziehung ist und man zu scheitern droht… usw. usf.

Dieses Erkennen und die damit verbundene Hilflosigkeit haut einem erst einmal die Füße weg.

Und man versucht alles, um doch noch eine milde Lösung zu eruieren.
Da er damals letztlich die nächste Begründung für sein Trinkverhalten präsentierte – die Sehnsucht nach seiner Mutter, die er so unendlich vermisst und die ja auch in seiner Heimat zurück geblieben war – hoffte ich, dass das vielleicht der Schlüssel sein könne. Und die Mutter zog zu uns.

Was ich nicht wusste: sie wusste es seit Jahren, dass er trinkt. Und sie animierte ihn sogar noch dazu.

Und “nebenbei” musste ich meine Geschäft, meine Selbständigkeit, zum Laufen kriegen.

Fortsetzung folgt…



Spinnen-Phobie – Erfahrungsbericht

Erfahrungsberichte Posted on 25 Mar, 2018 12:39:52

Mit freundlicher Genehmigung von Frau Katrin B. aus Bremen darf ich ihren Erfahrungsbericht zur Handflächen-Phobie-Technik veröffentlichen.

Vielen Dank dafür:

Meine Spinnenphobie und wie ich sie überwand

An eine Zeit in der ich keine Angst vor Spinnen hatte, kann ich mich nicht erinnern. Die Phobie reicht weit bis in meine früheste Kindheit zurück und erst vor einem Jahr bin ich durch einen Zufall auf die Ursache meiner Angst gestoßen.
Als ich meinen jetzigen Mann kennenlernte, habe ich ihm bei einem unserer ersten Treffen gesagt, dass ich unter einer Spinnenphobie leide und er keinesfalls einen Scherz (Gummispinne o.ä.) bei mir machen dürfe, da das für mich nicht lustig sei. Er hat es mir versprochen, jedoch am Anfang nicht verstanden. Das änderte sich schnell. An einem Sommerabend saß mein Mann vor dem Computer und arbeitete, während ich in der Küche das Abendessen zubereitete. Als ich auf den Boden blickte lief eine Spinne (ca. 5 cm Durchmesser) unter dem Kühlschrank hervor und verschwand unter der Blende der Unterschränke. Ich schrie wie besessen los und musste vor lauter Angst augenblicklich weinen. Als mein Mann mich hörte, dachte er ich sei tödlich verletzt und rannte sofort zu mir. Als er begriff was los war versuchte er erfolglos mich zu beruhigen. Ich machte ihm unter Tränen klar, dass sollte er die Spinne nicht finden und töten, ich keinesfalls die Nacht in unserer Wohnung verbringen würde. Mein Mann begriff, dass mir die Sache wirklich Ernst war und brachte mich ins Wohnzimmer. Dort saß ich mit angezogenen Knien, heulend und zitternd. Da mich mein Mann sehr liebt und offenbar jetzt verstand wie ernst die Situation war baute er in dieser Nacht unsere komplette Küche auseinander und fand die Spinne dann irgendwann. Da verstand er, nach eigener Aussage erstmals, was der Unterschied zwischen einer Angst, oder einem Ekel und einer Phobie war. Im Laufe der Zeit häuften sich diese Vorfälle und irgendwann sagte mein Mann ich müsse etwas dagegen unternehmen. Ich sah das genauso da ich in ähnlichen Situationen, wie seiner Zeit in der Küche, für Stunden fix und fertig war und weder pünktlich zur Arbeit kam noch mir aus eigener Kraft helfen konnte. Sobald ich eine Spinne sah, war ich wie gelähmt. Musste sofort weinen und konnte der Spinne auch nicht selbst zu Leibe rücken. Diese Phobie nahm einen so großen Teil meines Lebens ein, dass ich wirklich etwas dagegen tun musste. Ich forschte im Netz und stieß auf die Dr. Moshé Zwang Methode. Zuerst konnte ich kaum glauben, dass eine so starke Phobie nach einer einzigen Behandlung kuriert sein sollte, doch auf einen Versuch kam es mir an. Ich suchte nach einer Adresse in meiner Nähe und wurde bei Frau Gogoll fündig. Nach einem telefonischen Vorgespräch, in dem ich ihr mein Problem erklärte, vereinbarten wir einen Termin. Bei unserem persönlichen kennenlernen sprach ich mit Frau Gogoll lange über meine Phobie und besprach mit ihr das weitere Vorgehen. Nach dem intensiven Gespräch teilte sie mir mit, dass die Methoden nach Dr. Moshé Zwang für mich geeignet sei, und ich legte mich in entspannte Atmosphäre auf eine Liege. Frau Gogoll forderte mich auf mich zu lockern und ganz ruhig zu atmen. Als ich ruhiger wurde und meine Atmung gleichmäßiger wurde nahm sie meine Hand. Dann führte sie mich geistig in eine Situation in der ich sehr große Angstgefühle für Spinnen gehabt habe. Ich versetzte mich mit geschlossenen Augen in diese Situation und mein Körper verspannte sich augenblicklich. Als ich glaubte es nicht mehr lange aushalten zu können drückte sie einen Punkt an meiner Hand mit sehr starkem Druck für mehrere Minuten. Nach kurzer Zeit begann es wirklich weh zu tun aber Frau Gogoll ließ mich weiter diese Angstsituation erleben, gab mir aber gleichzeitig immer das Gefühl ganz sicher zu sein. Nach einigen Minuten ließ sie meine Hand los und forderte ich auf mich wieder zu entspannen und meine Gedanken ins jetzt zurückkehren zu lassen. Frau Gogoll erklärte damit die Behandlung für beendet und wir verabschiedeten uns voneinander. Ich wollte, zuhause angekommen, den Erfolg sofort testen und bat meinen Mann mich in unseren Keller zu begleiten wo es vor Spinnen nur so wimmelte. Falls ich meine Phobie nicht los war, sollte er mir als Sicherheit dienen. Im Keller verspürte ich keinerlei Unbehagen mehr. Keine Angst, keine angespannten Muskeln, kein weinen. Wir waren beide beeindruckt. Nachdem ich zwei Spinnen mit einer Fliegenklatsche getötet hatte waren wir beide überzeugt.
Meine Behandlung liegt nur fast zwei Jahre zurück und der Zustand hat sich seitdem nicht verändert. Ich habe keine Angst mehr. Ein gewisser Ekel ist mir geblieben, doch für mich ist das Wichtigste: Ich kann mir selbst helfen. Spinnen kann ich selbst töten. Kein stundenlanges weinen mehr. Ich bin ganz locker und tue es einfach ohne groß darüber nachzudenken. Diese Behandlung hat mir ein großen Teil Selbstständigkeit im Alltag wiedergebracht und ich kann heute sagen, dass ich meine Phobie überwunden habe.
Ich danke Frau Gogoll-Münker sehr für ihre einfühlsame Beratung und Behandlung.



Qualifikation

Heilpraktiker Psychotherapie Posted on 07 Feb, 2018 11:41:58

Der Heilpraktiker für Psychotherapie scheint für viele Menschen recht unbekannt, wie ich bisher feststellen durfte. Zumindest bei denen, die bisher keinerlei Unterstützung bei der Bewältigung etwaiger Probleme oder psychischer Unsicherheiten/Erkrankungen benötigten.
Ebenso – oder gar noch viel mehr – unbekannt ist die Qualifikation, die selbiger benötigt.

Der Heilpraktiker für Psychotherapie trägt auch die Bezeichnung “Heilpraktiker sektoral”.

Generell werden Heilpraktiker vor dem Gesundheitsamt auf ihr Wissen überprüft, wodurch sie nachweisen, dass ihre Kenntnisse ausreichen, um in ihrem Wissensgebiet sicher agieren zu können und das, ohne den Klienten / Patienten durch Unwissen Schaden zuzufügen.

Für den Heilpraktiker, welcher auf das Gebiet der Psychotherapie beschränkt ist, bedeutet dies, dass er nachweisen muss, sämtliche bekannten Krankheitsbilder der menschlichen Psyche zu kennen und unterscheiden zu können, welche Krankheitsbilder in die Hände eines Facharztes gehören und welche er selbst begleiten darf.

Es herrschen oftmals Unsicherheiten, ob der sektorale Heilpraktiker überhaupt ausreichendes Wissen besitzen kann, um in diesem Tätigkeitsfeld zu arbeiten.

Um aufzuklären, dass der Heilpraktiker für Psychotherapie ein durchaus qualifiziertes wichtiges Mitglied des Gesundheitssystems ist und den Arbeitskreis der psychologischen Psychotherapeuten sinnvoll ergänzt, folgen hier nach und nach weitere Hintergrundinformationen.

Hier mal ein Überblick über die derzeitig gültigen Prüfungsinhalte für die Überprüfung des Heilpraktikers für Psychotherapie in Niedersachsen, dargestellt auf der Internetseite des niedersächsischen Landesamtes (www.soziales.niedersachsen.de):

• Berufs- und Gesetzeskunde einschließlich rechtliche Grenzen der Ausübung der Heilkunde beschränkt auf Psychotherapie ohne Approbation als Psychotherapeut(in),
• Grenzen und Gefahren diagnostischer und therapeutischer Methoden bei der Ausübung einer Tätigkeit als Heilpraktiker(in) beschränkt auf Psychotherapie,
• Kenntnisse über die Abgrenzung psychischer von somatischen Störungen, insbesondere von Volkskrankheiten, Stoffwechselerkrankungen, Systemerkrankungen und degenerativen Erkrankungen,
• Erkennung akuter Notfälle und lebensbedrohliche Zustände,
• Kenntnisse von Symptomen und Erscheinungsbildern derartiger psychischer Störungen, die Gefahren für Patienten(innen) und dritte Personen darstellen, so dass deren Behandlung ausschließlich durch Psychotherapeuten(innen) mit Approbation angezeigt ist,
• ausreichende diagnostische Fähigkeiten in Bezug auf das seelische Krankheitsbild,
• Kenntnisse in psychologischer Diagnostik, in Psychopathologie und klinischer Psychologie,
• Grundkenntnisse der entwicklungs-, sozial-, persönlichkeits- und neuropsychologischen Grundlagen der Psychotherapie,
• Grundkenntnisse der Konzepte über die Entstehung, Aufrechterhaltung und den Verlauf psychischer und psychisch mitbedingter Erkrankungen verschiedener Altersgruppen,
• Grundkenntnisse der psychosomatischen und der psychiatrischen Krankheitslehre,
• medizinische und pharmakologische Grundkenntnisse im Bereich der Psychotherapie,
• die Fähigkeit, die Patienten entsprechend ihrer Diagnose zu behandeln,
• Ausschluss von Gefahren bei Äthologie, Indikation und Therapieplanung, Dokumentation, Evaluation, Kooperation mit den anderen Berufsgruppen des Gesundheitswesens.

Bei der Prüfung zum „Heilpraktiker- beschränkt auf das Gebiet der Physiotherapie” wird auf die folgende Fragestellung abgestellt:

• Ausreichende Kenntnisse über die Abgrenzung der heilkundlichen Tätigkeit als Physiotherapeut gegenüber der den Ärzten und den allgemein als Heilpraktiker tätige Personen vorbehaltenen heilkundlichen Behandlungen,
• ausreichende diagnostische Fähigkeiten in Bezug auf die einschlägigen Krankheitsbilder,
• Kenntnisse in Berufs- und Gesetzeskunde einschließlich der rechtlichen Grenzen der nichtärztlichen Ausübung der Heilkunde.



Hilfe! Sucht! – sucht Hilfe!

Alkohol und Sucht Posted on 02 Feb, 2018 19:06:40

Die Feststellung, man ist Angehörige/r eines suchtkranken Menschen trifft einen wie ein Donnerschlag.

Als Angehöriger durchläuft man ebenso verschiedene Phasen, wie der Süchtige selbst.

Nachdem man erahnte, suchte, feststellte, diskutierte, bettelte, zu verhindern versuchte und an seine Grenzen geriet, steht man als Angehöriger oft hilflos da und weiß nicht weiter.

Für die Suchtkranken gibt es verschiedene Anlaufstellen und Möglichkeiten, medizinische Betreuung und Beratung etc. und man findet recht schnell Antworten auf die Frage, wo man sich konkret hinwenden kann und Hilfe bekommt. Ambulant oder stationär, physiologisch ebenso wie psychologisch.

Als Angehöriger ist man oftmals – nach dem Schock und der Scham – in der Position, wenig Hilfsmöglichkeiten geboten zu bekommen.
In den letzten Jahren hat sich hier ein wenig getan, es bilden sich Selbsthilfegruppen bei den Guttemplern und beim DRK sowie weiteren sozialen Einrichtungen.
Es fehlt jedoch an der individuellen Unterstützung für die, die ihre Geschichte nicht zwingend innerhalb einer Gruppe oder eines größeren Kreises erzählen möchten und die die Zuwendung und vor Allem die Lösungsfindung benötigen, die in einem vis-a-vis – Gespräch erarbeitet werden können.

Hier setzt mein Projekt im Freiraum – neben allen anderen Themen – an.

Und dazu gibt es zukünftig hier einige weiterführende Tipps und Erzählungen, um den Weg für all die zu ebnen, die Angehörige eines Suchtkranken sind und den Bogenschlag in meinen Freiraum finden möchten.

Wer könnte besser agieren, als jemand, der selbst die Erfahrung als Angehöriger eines Suchtkranken machte?

Ich selbst war Angehörige eines alkoholabhängigen Mannes in der akuten Phase – in welcher er selbst noch lange nicht eingestehen konnte – sich oder anderen – dass er alkoholabhängig ist.
Der Weg, vorbei an der Co-Abhängigkeit (die nichts damit zu tun hat, dass man selbst trinken würde), vorbei an der Scham, an dem Schock, an der Angst und an der Wut, war nicht leicht und nicht folgenlos. Ich bin ihn gegangen und durfte mein verlorenes Lachen wieder finden, mein Glück und meine Liebe.
Aus dieser Erfahrung und aus all den speziell erlernten Segmenten der psychologischen und systemischen Beratung schöpfe ich die Mittel, um Hilfe und Unterstützung zu sein für die, die sie nutzen möchten.

www.beratungspraxis-freiraum.de



Das Glück und die Formel

Beziehungsweise Posted on 22 Jan, 2018 08:23:04

Oftmals erwartet jemand, der auf der Suche nach dem Partner / der Partnerin fürs Leben ist, dass er jemanden findet, der ihn / sie “glücklich macht”!

Der mich glücklich macht?

Wie kann mich jemand glücklich machen, wenn ich selbst es nicht bin?
Welche Last bürde ich jemandem auf, von dem ich erwarte, dass er mich glücklich machen soll?
Wie viel Kraft muss derjenige aufwenden, um in mir ein Glücksgefühl dauerhaft zu erhalten und wie perfekt muss er dazu sein?
Denn jede “Enttäuschung”, die wir empfinden innerhalb einer Partnerschaft, hätte ja ein Unglücklichsein zur Folge, für das der Andere dann die Verantwortung trägt.

Es ist die berühmte Katze, die sich in den Schwanz beißt: wenn man diese hohe – zu hohe – Erwartung stellt, ist eine Enttäuschung vorprogrammiert, da niemand diese Erwartung erfüllen kann, ohne selbst unglücklich zu werden.
Durch diese Enttäuschung, die man dann empfindet und für die man den anderen verantwortlich macht, ist man noch unglücklicher, erwartet vom anderen noch mehr, dass er das wieder gut macht und uns gefälligst glücklich.

Der andere gibt sein Bestes, stellt aber fest, dass er diese Erwartung zu keiner Zeit erfüllen kann, weil er nun selbst mit seinem eigenen Unglück zu tun hat und auch noch das Unglück des anderen lösen soll.

Es entsteht Unzufriedenheit auf beiden Seiten und letztlich wird einer von beiden davon laufen – der eine, weil er enttäuscht ist, “wieder nicht den / die Richtige(n) gefunden zu haben, der einen glücklich macht”, der andere, weil er viel mehr Unglücklichsein empfunden hat als vor der Beziehung.

Und so wird es sich immer wieder wiederholen, wenn die Erwartung bleibt, dass jemand uns glücklich machen soll.

Um diesen Teufelskreis zu verlassen, muss man verstehen und begreifen, dass Glück als Solches nur in uns selbst entstehen kann. Durch unsere gemachten Erfahrungen von der Kindheit an ist dieses Gefühl verloren gegangen oder zerstört worden.
Man kann es aber erneut erlernen.

Der “schnellste” Weg dorthin ist – wenn die seelischen Verletzungen nicht so tiefgreifend sind, dass man Hilfe von außen durch einen Coach oder psych. Berater in Anspruch nehmen sollte – die Verwirklichung von eigenen Zielen.

Diese Ziele, dieses Ziel, sollte etwas sein, was man nur für sich selbst macht, woran man tiefe Freude empfindet und was einen wirklich ausfüllt.
Wissenschaftlich ist erwiesen, dass wir uns nur erreichbare Ziele ernsthaft stecken. Es gibt also kein “zuviel”, eher ein “zu wenig”. Denn wenn das Ziel zu niedrig ist, kehrt sich die Freude letztlich um, da wir instinktiv wissen, dass wir mehr hätten erreichen können, es aber nicht taten.

Also sollte man in sich fühlen und sich fragen, was man schon immer gern hätte machen wollen, jedoch nie getan hat.

Wenn ich in meinem Umfeld schaue, wer für sich selbst tief glücklich ist, sind es alles Menschen, die Ziele haben: ein Freund trainiert mit seinem Hund für die Schutzhundausbildung, will selbst die Weiterbildung in dem Bereich erreichen – und ist trotz aller widrigen Lebensumstände glücklich. Meine Schwester reist mit meinem Schwager und wandert Kilometer für Kilometer, weil sie sich alles ansehen wollen, was möglich ist, sie fahren regelmäßig in ihr Lieblingsland USA und sie sind mit sich und für sich glücklich. Mein Mann trainiert wieder für das Marathon-Laufen und will in diesem Jahr mindestens 2 Läufe schaffen – in seiner selbst gesteckten Bestzeit. Ich selbst möchte die Prüfung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie im nächsten Jahr schaffen und übe dafür täglich. usw.

Wenn ich dann schaue, wie es den Menschen in meinem Umfeld geht, die keine Ziele haben, sehe ich, dass viele von ihnen nach außen lächeln, aber für sich selbst unglücklich sind, potenzielle Partner verfluchen, weil “das eh wieder nichts wird”, krampfhaft nach Lebensinhalten suchen, weil Arbeit und Fernsehn eben nicht reichen, um stolz auf sich selbst und damit glücklich zu sein. Das Ergebnis ist, dass sie viel mehr jammern und klagen, maulen und unzufrieden sind, als die anderen.

Im Übrigen ist das Ergebnis dieser kleinen, oben genannten, Glücksformel enorm: Dadurch, dass man selbst stolz auf sich ist, fröhlich das Ziel verfolgt und so ja auch immer etwas “zu erzählen” hat, glücklich darüber ist, dass man sein Ziel erreichen wird, hat man kaum Zeit und Grund zum Jammern und Klagen, empfindet dadurch eine viel größere Zufriedenheit in seinem Leben und strahlt Glücklichsein aus.

Und man zieht Menschen an, die ebenfalls glücklich mit sich selbst sind.

Letztlich kann dadurch eine gesunde Beziehung wachsen, in der beide mit sich selbst glücklich und zufrieden sind und den anderen als Bereicherung für das eigene Leben empfinden. Da niemand den anderen verantwortlich macht für das eigene Glücklichsein, sind beide deutlich mehr in ihrer Mitte und bilden eine gesunde Einheit, in welcher sich beide frei entfalten und entwickeln können und sich fördern, statt sich zu behindern.

Eigentlich ganz einfach, oder? Ansonsten gibt es uns Coaches und psych. Berater, die bei der Zielfindung und Glücksformel helfen können.

Und – welches Ziel hast Du, lieber Leser?



Liebe und Beziehung: Was Man(n) nicht will – Teil 2:

Beziehungsweise Posted on 18 Jan, 2018 16:53:24

Im ersten Teil habe ich Euch eine Situation von frisch verliebten Pärchen beschrieben, wie sie nur allzu oft vorkommt: die Verlustangst eines Partners (in diesem Falle des Weibchens, aber natürlich geht es auch umgekehrt – das Männchen leidet unter enormer Verlustangst) führt zum Ersticken der jungen entfachten Flamme.

Um eine Beziehung auf ein glückliches Fundament zu stellen, ist ein Faktor sehr wichtig:

die gleiche Augenhöhe.

Für diese Augenhöhe ist auf beiden Seiten ein “gesundes” Selbstwertgefühl Voraussetzung, denn nur dann fühlt man sich beim anderen wohl aufgehoben, hat nicht diesen Schwall an bedrohlichen Verlustängsten und beginnt durch diese zu klammern.

Man begegnet sich dann so, wie man ist, “verkauft” sich nicht, sondern weiß, dass man füreinander gut ist und miteinander froh sein kann über diese Begegnung, aus der alles erwachsen wird, was man sich gemeinsam erhoffen möchte.

Hätte in unserem Beispiel das Weibchen ein stärkeres Selbstwertgefühl, würde es dieses Bedürfnis nicht verspürt haben, das Männchen “an sich zu ketten”.
Das Weibchen hätte die Lust und Freude, den eigenen Interessen nach zu gehen und würde ihrem Männchen stolz von den damit verbundenen Erlebnissen erzählen.
Gleichermaßen wäre das Weibchen interessiert an den Erlebnissen des Männchens und könnte ihm von Herzen einen schönen Abend mit seinen Freunden wünschen, statt vor lauter Panik eine Situation zu inszenieren, in welcher das Männchen nur davon laufen kann.

Ein gestörtes Selbstwertgefühl ist in der Regel in der Kindheit durch verschiedene negative Erlebnisse in der Familie oder dem näheren Umfeld manifestiert worden.
Wenn man erkannt hat, dass man mit diesem negativen Gefühl, zu wenig oder gar nichts wert zu sein, immer wieder konfrontiert ist, sollte man überlegen, ob man daran arbeiten möchte.

Durch verschiedene Methoden und Hilfe zur Selbthilfe ist die Stärkung des Selbstwertes sehr gut möglich – und bildet dann den Grundstein für eine zufriedene und glücklichere Zukunft.



Liebe und Beziehung: Was Man(n) nicht will – Teil 1:

Beziehungsweise Posted on 17 Jan, 2018 18:44:51

Das erste Date ist da, zwei Herzen schlagen Purzelbäume, Augenpaare treffen sich, in denen sich Bewunderung, Neugier und ein überwältigendes Glitzern rasant abwechseln.

Sie bewundert seine gepflegte Erscheinung, sein gewinnendes Lächeln, seine Stärke, die er ausstrahlt, seinen Charme und all die anderen Dinge, die dazu führen, dass wir uns verlieben.

Er genießt ihre Schönheit, ihr Auftreten voller Selbstbewußtsein, ihre demonstrierte Unabhängigkeit und ihre Weiblichkeit, deren Reize sie gekonnt einsetzt.

Soweit, so gut.
Die ersten Wochen gehen ins Land, man trifft sich gern, verabredet sich, verliebt sich. Jeder unternimmt viel im eigenen Freundeskreis und in der eigenen Familie, freut sich aber jedes Mal aufs Neue, wenn man endlich wieder Zweisamkeit teilen kann.
Den Rythmus der Dates bestimmt in erster Linie sie, denn sie ist ja schließlich viel beschäftigt und emanzipiert. Er ist dankbar für so viel Selbständigkeit einer Frau, weil er so genug Zeit hat für seine ganz eigenen Hobbys: Fußball, Abende mit Freunden, Konzerte usw.

Irgendwann kommt der Tag, an welchem diese Beziehung “ernst” wird. Man plant, zusammen zu wohnen und eine gemeinsame Zukunft aufzubauen.

Und plötzlich fühlt der Mann sich, als wäre seine Welt auf den Kopf gestellt worden und hätte seine tolle, emanzipierte und selbständige Braut verschwinden lassen.
Die Verwandlung der ursprünglich so liebenswerten freien potenziellen Partnerin macht ihm sein Leben plötzlich unglaublich schwer und seinen Freiraum kaputt:

SIE LÄSST IHM NICHT MEHR SEINEN FREIRAUM!

Wenn er sich mit Freunden verabreden will, wird sie maulig, weil sie doch eigentlich mit ihm “was-auch-immer” machen wollte.
Wenn er länger arbeiten muss, weil die Karriere ruft, meckert sie, warum er sich das antut und sie dafür warten lässt. (oder – noch schlimmer – sie belehrt ihn, wie ungesund das ist).
Wenn er Fußball schauen möchte, wirft sie ihm vor, dass er nie für sie Zeit hat.
So kann man diese Liste weiter führen bis ins Unendliche.

Alternativ geht das natürlich auch unter dem Deckmantel der endlosen Sorge, welche die Partnerin zu zerfressen droht und was sie ihm deutlich zeigt.

Das Ergebnis bleibt aber gleich: der Mann vermisst seine emanzipierte, selbständige Braut, die ihm die Freiheit ließ, sich als Mann zu fühlen und sich nicht aufgeben zu müssen.

Irgendwann wird es ihm zu bunt und er entfernt sich wieder. Einerseits, um fliehen zu können, solange es geht, andererseits, um aber nochmals einen Blick von Weitem auf sein gewähltes Weibchen zu werfen – vielleicht war es ja nur vorübergehend, diese Verwandlung?

Bei der Dame erzeugt dieses Verhalten noch mehr Verlustangst, weil sie ihn natürlich nicht verlieren möchte, ihren Prinzen, den sie doch gerade erst gefunden hatte und mit dem die Zukunft so großartig sein sollte.

Er wiederum spürt noch mehr Fluchtreflexe und entfernt sich zunehmend.

Letztlich schlägt das Festhaltenwollen durch sein Weibchen um in Wut und Aggression, weil sie ihn für beziehungsunfähig und sich für nicht gut genug hält.

Und dann gehen beide auseinander mit den Worten: “Er / sie ist doch gar nicht beziehungsfähig und total blöd!”

Ende der Liebesgeschichte, die doch so schön begann…